13 Grad kaltes Regenwasser kühlt im Sommer in Elzach die Werkhalle

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13 Grad kaltes Regenwasser kühlt im Sommer in Elzach die Werkhalle

Von Sylvia Sredniawa, Di, 28. September 2021

Die Werner Gießler GmbH in Elzach investiert seit Jahren in die Reduzierung von Stromverbrauch und CO 2 . Auch Regenwasser wird gesammelt, nicht nur zur Kühlung der Werkhalle im Sommer.

An Hochsommertagen tut sich auf dem Firmengelände der Werner Gießler GmbH am Rißlersberg in Elzach manchmal Außergewöhnliches: Wem’s zu heiß wird, der springt in das große Wasserbecken auf dem Hof, erzählt Reiner Ehret, Technischer Leiter des 1969 gegründeten Betriebs. Aber nur wenige seien wild darauf, denn das Wasser habe eine Temperatur von gerade mal 13 Grad. Es dient ja eigentlich auch einem anderem Zweck: So wie im Winter die Abwärme der Dreh- und anderen Metallbearbeitungsmaschinen zur Heizung sämtlicher Betriebsgebäude genutzt wird (ohne weitere Zusatzheizung), so wird das aufgefangene und in einem Kühlturm heruntergekühlte Regenwasser im Sommer zur Kühlung der Werkhallen genutzt: Das kalte Wasser läuft dann durch die Rohre der Fußbodenheizung und macht es beim Arbeiten erträglicher. Die Investitionen dafür waren laut Reiner Ehret gering, die Amortisationszeit lag bei unter einem Jahr.

Was jeder Einzelne zur Schonung der weltweiten Ressourcen und zur Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen tun kann, das ist oft auch in größerem Maße – und mit größeren Effekten – in der Wirtschaft möglich. Die BZ greift einige Beispiele aus der Region auf, die zeigen, dass das Thema längst bei Betrieben angekommen ist.

„Dass sich Klimaschutz auch lohnt, das vergessen heute viele und denken nur an den Aufwand“, meint Ehret. Seit der Einführung dieses Wärme- und Kühl-Systems im Jahr 2006 habe das Unternehmen 105 000 Liter Heizöl nicht kaufen müssen. Pro Jahr beziffere sich der Spareffekt durch diese Maßnahme auf 90 000 Kilowattstunden (kWh) Strom und 48 Tonnen CO2-Emissionen.

Allein dies wäre der Erwähnung wert, ist aber nicht alles. Ehret zählt zusammen mit seinem Leiter für Automatisierung, Markus Bayer, und der betriebseigenen Umweltbeauftragten Gabriela Hociung weitere Maßnahmen auf: 2013 wurde die erste Photovoltaikanlage auf dem Firmendach in Betrieb genommen, 2021 zwei weitere. Somit kommen die jährliche Erzeugung von 190 000 kWh Sonnenstrom und 100 Tonnen CO2 weniger auf die Klimabilanz.

Nur noch energiesparsame Technik einkaufen

Noch größer sei der Effekt durch neu angeschaffte Kompressoren, die Druckluft für die Produktionsprozesse herstellen. Die Herstellung von Druckluft ist recht energieintensiv, deshalb lohne es sich hier, auf die genauen Parameter und Unterschiede der Geräte zu achten, erzählen Ehret und Bayer. Die neuen Kompressoren brauchen pro Jahr 207 000 kWh weniger Strom und erzeugen 110 Tonnen weniger CO2 als die alten Geräte. Im Vergleich dazu eher überschaubar sei der Effekt der LED-Beleuchtung im ganzen Werk (jährlich 13 605 kWh/ 7 Tonnen CO2 ).

Generell habe sich das Unternehmen dazu entschieden, nur noch energieeffiziente Maschinen anzuschaffen. Ehret beziffert hierfür den Effekt mit einer halben Million Kilowattstunden und 300 Tonnen weniger CO2 in der Klimabilanz – und das jährlich. Neueste Anschaffung in diesem Jahr war ein Stromfilter, der Stromfrequenzen optimiert und so Energieverluste im betrieblichen Netz reduziert. Allein durch die Inbetriebnahme dieses Gerätes rechnet man mit einem Einspareffekt von 100 000 kWh und 54 Tonnen weniger CO2 -Emissionen.

Wenn Klimaschutz Chef- und Mitarbeitersache ist

Wesentlicher Faktor für all diese Maßnahmen sei allerdings, dass auch mal etwas längere Amortisationszeiten in Kauf genommen werden, sagt Ehret. Das sei hier bei der Werner Gießler GmbH der Fall und vielleicht sogar generell eher in einem familiengeführten Unternehmen möglich als in einem aktiennotierten Konzern, von dem die Aktionäre jedes Jahr Ausschüttungen erwarten. Letzteres kann leicht zu Lasten einer Klimapolitik im Unternehmen gehen. Familien-Unternehmer dächten auch in Richtung ihrer Kinder und Enkel.

Aber auch der Preis muss stimmen

Das Klimaengagement des Elzacher Betriebes geht jedenfalls deutlich über bisherige gesetzgeberische Vorgaben hinaus. Und ja: Die Maßnahmen dürfen sich nicht allzu sehr im Preis der Erzeugnisse niederschlagen, sagt Ehret und verweist auf die internationale Konkurrenz. Noch sei es so, dass die Kunden (die Werner Gießler GmbH produziert unter anderem für den Fahrzeugbau) eher am niedrigen Preis als an der ökologischen Produktion der Waren interessiert sind.

Trotzdem will man diesen Weg unbeirrt fortsetzen: Um beim Ressourcenverbrauch und der Senkung der Emissionen Verbesserungen zu erzielen, hat die Werner Gießler GmbH mit Gabriela Hociung eine eigene Umweltbeauftragte im Unternehmen, die ein Auge auf die Prozesse hat und den Ressourcenverbrauch dokumentiert, aber auch die rund 120 Mitarbeiter „mit ins Boot“ holt. Das eigene Klima-Know-How wird inzwischen auch verkauft: mit konstruktiven Lösungen im Bereich der Prozess- und Gebäudeautomation, die andere Unternehmen klimafreundlicher machen.

Foto und Bericht von Sylvia Sredniawa

au dem Foto vor dem Wassersammelbecken stehen Markus Bayer, Gabriela Hociung und Reiner Ehret. Sie kennen sich mit Klimaschutzmaßnahmen bei der Werner Gießler GmbH in Elzach aus. Foto: Sylvia Sredniawa

https://www.badische-zeitung.de/13-grad-kaltes-regenwasser-kuehlt-im-sommer-in-elzach-die-werkhalle–205189634.html

 

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